Antiresorptiva und deren Einfluss auf die Kieferknochen

Verschiedene Erkrankungen können dazu führen, dass Ihre Knochen geschwächt werden. Dabei kann es sich um Erkrankungen des Alters (z.B. Osteoporose – Knochenschwund) aber auch um bösartige Erkrankungen handeln. Gerade bösartige Erkrankungen können entweder im Knochen entstehen (als eine Art Knochenkrebs) oder Absiedelungen (Metastasen) in den Knochen aussenden. Bestimmte bösartige Tumore sind dafür bekannt. Leider gehören dazu auch die extrem häufig vorkommenden Erkrankungen Brustkrebs und Prostatakrebs.

Die Medizin hat Möglichkeiten, den Knochen in solchen schwierigen Situationen zu stärken. In der letzten Zeit haben sich medikamentöse Therapien für diesen Zweck besonders bewährt. Da diese Medikamente die Auflösung (also die „Resorption“) des Knochens verlangsamen bzw. verhindern (also entgegenwirken „anti“), werden sie als „Antiresorptiva“ bezeichnet. Dazu gehören unterschiedliche Medikamente: die „Bisphosphonate“ und der Antikörper „Densosumab“.


Quelle: Troeltzsch et al; Physiology and Pharmacology of Nonbisphosphonate Drugs Implicated in Osteonecrosis of the Jaw; J Can Dent Assoc 2012;78:c85


Bedeutung der Antiresorptiva für die Mundhöhle

Wie jedes Medikament, das eine gute Wirkung zeigt, bleiben auch bei den Antiresorptiva leider unerwünschte Nebenwirkungen nicht aus. Auch wenn die Medikamente eigentlich nebenwirkungsarm sind, betrifft die schwerste Nebenwirkung ausgerechnet die Kieferknochen. Die Medikamente greifen ja – wie bereits erwähnt – in den Knochenstoffwechsel ein. Das führt leider dazu, dass sich der Knochen gegen Verletzungen und Entzündungen nicht mehr so effektiv wehren kann. Bei starker Einwirkungen von äußeren Reizen kann dies zum Absterben von Knochenanteilen führen (Knochen – lateinisch „os“; abgestorben – griechisch „nekros-“ Osteonekrose). Diese Probleme können entweder spontan, bei kleinen Verletzungen oder nach operativen Eingriffen, die in der Mundhöhle durchgeführt wurden, auftreten. Ob dies eines Tages zum Problem wird, ist individuell unterschiedlich. Es hängt von vielen Faktoren ab. Im ausgeprägten Fall kommt es dazu, dass Wunden im Kieferbereich nicht richtig heilen und der Knochen nicht mehr mit Schleimhaut bedeckt ist. Dies kann für die betroffenen Patientinnen und Patienten unterschiedliche Auswirkungen haben. In vielen Fällen verläuft die Erkrankung zu Anfang nahezu symptomlos, kann aber später Entzündungen, Schwellungen oder Brücke hervorrufen. Die Erkrankung wird dann als Antiresorptiva – assoziierte Osteonekrose – bezeichnet (Abkürzung englisch: „Antiresorptive drug associated osteonecrosis oft he jaw“ – ARONJ). Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, das Krankheitsbild zu verhindern und – wenn es denn aufgetreten sein sollte – zu behandeln. Wir beraten Sie gerne: sei es vor Beginn einer derartigen Therapie oder wenn sie läuft und vor allem auch dann, wenn Sie denken, erkrankt zu sein.


Möglichkeiten der Prophylaxe

Viel besser als Behandeln ist jedoch Vorbeugen. So ist wissenschaftlich bewiesen, dass durch effektive Prophylaxe, das Risiko für diese Erkrankung entscheidend verringert werden kann.

Im Zentrum für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde Ansbach können Sie sich vor Beginn einer Antiresorptivatherapie über ihr individuelles Risiko für das Auftreten einer Osteonekrose bei Einnahme von Antiresorptiva beraten lassen. Sollten Sie bereits unter Therapie mit Antiresorptiva stehen, so kann ein für Sie maßgeschneidertes Prophylaxeprogramm entwickelt werden, das ihr Risiko für das Auftreten der Erkrankung so weit wie möglich senkt.


Möglichkeiten der Therapie

Aber auch, wenn bei Ihnen bereits eine Osteonekrose diagnostiziert worden ist, so können wir durch passende Diagnostik und Therapie die Erkrankung korrekt einschätzen und stoppen. Im Zentrum für Zahn- Mund und Kieferheilkunde Ansbach werden neben zahnärztlichen und zahnärztlichen chirurgischen Behandlungen für Patienten unter Antiresorptivatherapie auch Konzepte unter Beteiligung dentaler Implantate realisiert. Aufgrund der erschwerten Knochenheilung, ist die Implantologie bei Antiresorptivapatienten besonders anspruchsvoll.

Die Spezialisten des Zentrums für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde Ansbach sind nicht nur klinisch in der Therapie der ARONJ versiert, sondern auch in der präklinischen und klinischen Forschung des Themas führend. Gerne können wir Ihnen weiterführende Literatur auf Nachfrage zur Verfügung stellen.

Eine kleine Auswahl unserer Forschungsergebnisse zu diesem Thema finden Sie hier:

Necrosis Jaw

Knochen- und Skelettsystem - Teil 1

Knochen- und Skelettsystem - Teil 2

Knochen- und Skelettsystem - Teil 3


Weitere Medikamente mit Einfluss auf den Kieferknochen

Leider gibt es neben den „Antiresorptiva“ weitere Medikamente, die Einfluss auf den Stoffwechsel des Kieferknochens haben und dessen Fähigkeit, sich vor Reizen zu schützen, behindern können. Dabei handelt es sich vor Allem um Medikamente, die bei der Behandlung komplizierter Erkrankungen, wie Krebserkrankungen oder Erkrankungen Ihres Immunsystems, eingesetzt werden. Ob die bei Ihnen laufende medikamentöse Therapie für die Wundheilung in Ihrer Mundhöhle wichtig ist, kann im Rahmen eines kurzen Beratungsgesprächs im Zentrum für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde Ansbach geklärt werden. Natürlich werden wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Bedeutung neuer Antiresorptiva, Neoangiogenesehemmer und Immunomodulatoren für die Entstehung von Osteonekrosen der Kiefer


    Weitere Informationen zu Antiresorptiva

  • Was genau sind Antiresorptiva?

    Unter Antiresorptiva werden Medikamente verstanden, die den Knochenstoffwechsel vor allem hemmend beeinflussen. Es handelt sich dabei um sehr häufig verordnete Wirkstoffe, die zur Prophylaxe und Therapie sämtlicher Erkrankungen, die zu einer Verringerung oder Auflösung von Knochensubstanz führen, eingesetzt werden. Dabei handelt es sich neben der weit bekannten Osteoporose, die sowohl Damen als auch Herren höheren Alters betreffen kann, auch um bösartige Prozesse des Knochens (entweder Metastasen solider oder lymphatischer Tumoren). Für einige seltene Knochenstoffwechselstörungen und Knochenentzündungen stellen Antiresorptiva ebenso die Therapiemethode der Wahl dar. Weltweit werden jährlich mehrere Millionen Dosen dieser Medikamente für unterschiedlichste Anwendungen verschrieben. Gerade für die Gebiete der Osteoporosetherapie und der onkologischen Therapie (Therapie von bösartigen Prozessen) haben die Antiresorptiva einen therapeutischen Durchbruch erreicht, der für die Patienten mit einem unschätzbaren Anstieg von Lebensqualität durch die Verringerung krankheitsassoziierter Probleme einhergeht. So können Antiresorptiva effektiv die Rate an Knochenbrüchen durch Schwächung verringern, einen im Zuge dieser Erkrankungen möglicherweise gestörten Elektrotlythaushalt normalisieren und Knochenschmerzen wirkungsvoll therapieren.

    Unter Antiresorptiva versteht man die Wirkstoffgruppen der sogenannten Bisphosphonate und den Antikörper Denosumab. Es existieren unterschiedlichste Rezepturen und Dosierungen auf dem Markt, die je nach Anwendungsgebiet und individuellen Anforderungen angewendet werden. In der Regel ist die Anwendung dieser Medikamente nebenwirkungsarm.

  • Bedeutung der Antiresorptiva für die Mundhöhle

    Gerade das Fachgebiet der Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie ist allerdings in der Pflicht, die schwerste Nebenwirkung dieser Medikamente, die je nach Dosierung, Dauer der Therapie und Grunderkrankung der Patienten mit einer Häufigkeit zwischen 1:10 Mio bis zu 1:1000 auftreten kann, zu verhindern oder aber auch zu therapieren. Es handelt sich dabei um eine schleichend verlaufende, ohne adäquate Therapie nicht heilbare Entzündung des Kieferknochens, die schlussendlich zum Absterben tragender Kieferbereiche führen kann. Dies kann im schlimmsten Falle zu Einschränkungen der Lebensqualität durch Schmerzen, Verringerung des Kaukomforts und erschwerte Mundhygiene führen. Im Fachjargon nennt man die Erkrankung Antiresorptiva (oder Medikamenten-) assoziierte Osteonekrose der Kiefer. Wissenschaftlich spricht man häufig vom englischen Terminus „Antiresorptive/Medication – related Osteonecrosis of the Jaw“ (ARONJ/MRONJ).

    Die gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass es nicht nur eine effektive Therapie der Erkrankung gibt, die – auch durch unsere Forschung – gut etabliert und wirksam ist. Zeitnah durchgeführt, kann die Therapie die Erkrankung stoppen.

  • Anwendung von Antiresorptiva zur Behandlung von Knochenerkrankungen der Kiefer

    Zum Thema Komplexität gibt es in diesem Thema auch noch einen Zusatz. Seltene entzündliche oder tumoröse Erkrankungen des Kieferknochens können wirksam mit Antiresorptiva behandelt werden. Auch wenn diese Erkrankungen und Therapien nur wenige Patienten betreffen können wir sie bei Ihnen entweder ambulant oder im Rahmen kurzer Krankenhausaufenthalte durchführen. Es handelt sich dabei um kaum erforschte, chronisch entzündliche Erkrankungen der Kiefer, die vor allem bei jüngeren Frauen auftreten und starke Schmerzen verursachen. Nur die richtige Behandlung unter Einsatz von Antiresorptiva kann helfen. Die Anwendung der Medikamente ist in klinisch – wissenschaftlicher Erprobung und darf nur von Experten nach sorgfältiger Diagnostik durchgeführt werden. Die Experten des Zentrums für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde Ansbach sind in der Diagnostik und Therapie von Knochenerkrankungen bestens ausgebildet und beraten Sie gerne!


Was können wir für Sie tun wenn Sie betroffen sind?

  • Untersuchung und Sanierung vor der Gabe von Antiresorptiva
  • Zahnärztliche und chirurgische Eingriffe wenn Sie bereits diese Medikamente bekommen
  • Behandlung der manifesten Kiefernekrose

 

In diesem Bereich sind wir in Lehre und Forschung aktiv.